Arbeitsunfälle

Die Arbeit steckt voller Gefahren




Angeblich passieren ja die meisten Unfälle zuhause. Das mag man kaum glauben, wenn man sich einmal mit dem Thema Arbeitsunfälle beschäftigt. Zunächst einmal ist eines klar: In der Arbeit ist es fast genau wie im richtigen Leben – nur viel gefährlicher! Hinzu kommt die Tatsache, dass die Gerichte gerade bei Arbeitsunfällen, die besonders unglücklich ablaufen, regelmäßig knausern und zaudern. Das musste beispielsweise ein Lagerarbeiter aus Wiesbaden leidvoll erfahren. 

Während der Arbeitszeit telefonierte er kurz mit seiner Ehefrau. Der Inhalt des Telefonates ist nicht bekannt – jedenfalls aber regte sich der der Mann offensichtlich so sehr auf, dass er an einem Metallwinkel hängen blieb und einen Kreuzbandriss erlitt. Der 45-Jährige wollte die Behandlungskosten im Rahmen eines Arbeitsunfalls anerkannt erhalten. Das hessische Landessozialgericht jedoch erteilte ihm eine klare Abfuhr: wer während der Arbeitszeit privat telefoniert, tut dies auf eigene Gefahr und verliert währenddessen seinen Versicherungsschutz, urteilten die Darmstädter Richter (Az. L3 U 33/11). 

Ganz ähnlich erging es einem Mann aus Dresden, der vor einem Kopiergerät zu verdursten drohte, weil dieses unendlich lang brauchte, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Er beschloss, zu einem nahegelegenen Kühlschrank zu gehen und sich die Zeit mit einem (alkoholfreien) Bierchen zu versüßen. Kaum aber hatte der Kronkorken geploppt, da lief der Kopierer auch schon an und ab diesem Augenblick lief alles andere schief. Beim hektischen Zurückrennen begann das Bier zu schäumen. Der Mann wollte rasch den Schaum abtrinken und schlug sich dabei die Schneidezähne aus. Tragisch – jedoch kein Arbeitsunfall, so urteilte das Sozialgericht Dresden. Die Aufnahme von Nahrung am Kopiergerät ist grundsätzlich nicht unfallversichert. Es handelte sich um eine sogenannte eigenwirtschaftliche Verrichtung, mit der der Kläger seine versicherte Tätigkeit unterbrochen hatte. Hiervon liegt auch keine Ausnahme vor, weil die Kopiertätigkeit nicht geeignet war, abweichend vom normalen Trink- und Essverhalten des Klägers ein besonderes Durst- oder Hungergefühl hervorzurufen (Sozialgericht Dresden S 5 U 113/13). 

Glück im Unglück hatte hingegen ein Mann aus Gelsenkirchen, der auf dem Heimweg von der Arbeit unglaublich heftig von seiner Blase gepeinigt wurde. Er stoppte sein Auto, schlug sich in die Büsche, rutschte dann aber im Nassen aus und brach sich den Oberarm. Glasklarer Arbeitsunfall, so das Sozialgericht Gelsenkirchen, weil der Versicherte durch seine Tätigkeit gezwungen ist, seine Notdurft an einem anderen Ort zu verrichten, als er dies in seinem häuslichen Bereich getan haben würde (Sozialgericht Gelsenkirchen S 10 U 256/98). Pieseln also ja – Autowaschen hingegen nicht! Wer seine Geschäftsfahrt unterbricht, um sein (auch privat genutztes) Fahrzeug zu waschen und sich dabei verletzt, erleidet keinen Arbeitsunfall, so das Urteil des Bayerischen Landessozialgerichts (Az. 17 U 180/12). 

Man muss sich also schon ganz genau überlegen, wie man sich auf einer Dienstfahrt sinnvollerweise verstümmelt. 


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