SMS


„Ich habe dich gern, aber ich habe es mir noch mal überlegt. Es geht nicht. Ich wünsche dir alles Gute“ – nach Erkenntnissen der Bild-Zeitung soll die der Boulevardleserschaft gemeinhin als „Naddel“ bekannte Nadja Abdel Farrag mit eben diesen Worten per SMS den Komponisten Ralph Siegel im Mai 2002 abserviert haben. Wie lange sie beim Verfassen dieser Buchstabenkombination auf ihrem Mobiltelefon herumgenaddelt hat und ob Herr Siegel diese poetische Textzeile auf einer der 479 Seiten seiner unlängst erschienenen Biographie verewigen hat lassen, werde ich Ihnen leider nicht berichten können, da ich beabsichtige, das Werk nicht in meine persönliche Lektüreliste einzureihen. Versichern darf ich Ihnen hingegen, dass die so genannte SMS (kurz für „Short-Message-System“) schon immer für jede Menge Ärger gesorgt hat. 

Da war beispielsweise eine beisitzende Richterin am Landgericht Frankfurt, die über die Bestrafung zweier Messerstecher mitzubefinden hatte. Weil die Verhandlung sich hinzog, schickte die Juristin unter der Richterbank zwei SMS an ihren Babysitter. Ein gefundenes Fressen für die Verteidiger, die sofort einen Befangenheitsantrag stellten. Wer Zeit hat, SMS zu schreiben, der scheint sich für die Sache wohl nicht sonderlich zu interessieren? Das Landgericht nahm den Vorwurf nicht ernst und verhandelte weiter. Doch der in der Revision angerufene Bundesgerichtshof kassierte das Urteil. Der Vorsitzende Richter am BGH, Thomas Fischer, fand es unfassbar, dass ein Richter auf der Richterbank per SMS die Betreuung seiner Kinder organisiere. Man hätte die Verhandlung hierfür ohne weiteres fünf Minuten unterbrechen können (Az. 2 StR 228/14). 

Größeres Glück hatte ein Oberarzt aus Rheinland-Pfalz, der seiner Operations-assistentin mehr vertraute, als es im ärztlichen Karrierehaifischbecken eines Krankenhauses gesund ist. Er bezweifelte offensichtlich die Kompetenz seines Chefarztes und schrieb der Dame deshalb eine SMS folgenden Inhalts: „…er ist u bleibt ein autistisches krankes Arschl...“ Diese Diagnose übermittelte das Fräulein auf schnellst-intrigantem Wege (per SMS) dem Chef, der seinen Oberarzt postwendend feuerte. Doch der rief das Arbeitsgericht an und bekam Recht: Entscheidend war dabei, dass der Oberarzt und die Operationsassistentin noch kurze Zeit zuvor regelmäßig intime Dienstbesprechungen („Tupfer, Klemme, absaugen bitte…“) im Bett veranstaltet hatten und der Kläger deshalb darauf vertrauen durfte, dass private Äußerungen auch privat bleiben. Die Kündigung war damit unwirksam (LAG Rheinland-Pfalz, Az. 3 Sa 571/14). 

Das wäre sie übrigens auch gewesen, wenn sie per SMS gekommen wäre. Kündigungen müssen nämlich in Papierform erfolgen, entschied das Arbeitsgericht Bochum (Az. 5 Ca 1725/12). 

Ein Rat noch an alle Schlagerpäpste, die schlechte Nachrichten von ihrer Liebsten erwarten: Das OLG Hamm urteilte, dass das Lesen einer SMS beim Autofahren eine Ordnungswidrigkeit darstellt (Az. 2 Ss OWi 177/05). 

Lieber also die Nachricht daheim im Studio lesen und dazu gleich was Herzschmerzendes für den Eurovision Song Contest komponieren. Das kann man dann ja per MMS verschicken. 

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