Uniformen


Woran es liegt, ist schwer zu erklären. Genauso schwer wie der Grund dafür, dass manche Menschen Erdbeeren mögen und andere nicht. Ich spreche von Uniformen. Ich kenne keine Statistiken dazu, aber ich habe doch den Eindruck, dass mehr Menschen Uniformen toll finden, als Menschen Erdbeeren ablehnen? So ein fesch geschnittenes Stück Stoff mit Streifen und glänzenden Knöpfen macht rasch aus einem Nobody einen Jemand. 

Dabei besteht ja der eigentliche Zweck einer Uniform nicht darin, unheimlich attraktiv zu wirken sondern vielmehr darin, seine Individualität einer gemeinschaftlichen Einheitlichkeit unterzuordnen. An dieser Stelle nun zeigt sich, dass wir Menschen eben doch eine ganz besondere Tierart sind. Kaum nämlich haben wir die vereinheitlichende Uniform angezogen, wollen wir besonders individuell sein. 

So ging es einem uniformierten Polizisten aus Rheinland-Pfalz, den ein Rundschreiben seines Innenministeriums erreichte. Darin stand in Bezug auf die Haartracht von Uniformträgern geschrieben, unzulässig seien „besondere Auffälligkeiten, insbesondere solche, die in Form, Länge, Gestaltung oder Farbgebung als Ausdruck einer ausgeprägt individualistischen Haltung oder Einstellung zu empfinden seien“. Bei uniformierten Polizeibeamten sei eine deutlich über den Hemdkragen reichende Haarlänge mit diesen Grundsätzen nicht vereinbar, will sagen: der Polizist sollte seinen Pferdeschwanz abschneiden. Am Ende landete die Sache vor dem Bundesverwaltungsgericht und die Richter entschieden: Der Zopf bleibt dran! Das rheinland-pfälzische Innenministerium argumentierte zwar, Umfragen hätten ergeben, dass lange Haare uniformierter männlicher Polizeibeamter vor allem bei älteren Personen auf Ablehnung stießen. Die Bundesverwaltungsrichter entschieden jedoch, das Verbot langer Haare greife in das Grundrecht der Beamten auf freie Entfaltung der Persönlichkeit unzulässig ein (BVerwG 2 C 3.05). 

Doch nicht nur Polizeiuniformträger sind Individualisten. Da gab es auch diesen Lufthansapiloten, der seine schicke Mütze mit der Goldborte einfach nur blöd fand. Die Lufthansa wollte ihn zwingen, sie trotzdem aufzusetzen – denn was ist ein Pilot ohne Mütze? Doch das Bundesarbeitsgericht in Erfurt entschied mit überraschenden Argumenten: wenn am Flughafen zwei Frauen und ein Mann mit Mütze zusammenstehen, wen hält man da wohl für den Piloten? Die Mütze ist eine unangemessene, rechtswidrige geschlechtliche Ungleichbehandlung! Nicht nur von kappenscheuen Flugzeuglenkern sondern auch von Pilotinnen, denen man den Schirmhut verweigert. (Az. 1 AZR 1083/12). 

Zurück zur Polizei. Ein Bundespolizist aus Hamburg fand einen 3 mm langen Ohrstecker schön und weigerte sich, der Weisung seines Vorgesetzten zu gehorchen, ihn wegzulassen. Die Sache ging vor das Verwaltungsgericht Hamburg. Man gab dem Mann Recht: Verbieten könne man den Ohrstecker nur dann, wenn er eine „Funktionsbeeinträchtigung“ der Uniform bedeutet. Das sei sicher nicht der Fall, so die Hamburger Richter - denn in Bayern zum Beispiel seien Stecker bis zu 5 mm und Ringe sogar mit 10 mm Durchmesser zugelassen! Da müssen 3 mm in Hamburg auch gehen (20K 3364/10).  

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