Kreisverkehr

Für viele eine nützliche Alternative für Ampeln, für einige wenige jedoch ein Alptraum in Sachen Verkehrsführung.


Vor etlichen Jahren hatte ich das besondere Vergnügen, für eine kurze Weile ausbildungshalber in Südfrankreich zu leben. Ich will an dieser Stelle nicht Ihren Unmut hervorrufen, indem ich Ihnen vom regelrecht unwirklichen Glitzern des Meeres und den gemütlichen kleinen Straßencafes berichte. Fast genauso faszinierend fand ich übrigens die in Frankreich noch weit häufiger als bei uns verbreiteten Kreisverkehre. Anders als bei uns sind die Kringel dort wirklich sinnvoll und das liegt unter anderem daran, dass man sie effizient benutzt – insbesondere die mehrspurige Variante. Auf der äußeren Spur fädelt man ein, dann wechselt man auf eine Innenspur und erst kurz vor der Ausfahrt geht’s wieder zurück auf die Außenspur. Das ganze flutscht mit einer solchen Präzision, dass einem als Anfänger ganz flau im Magen wird. Wenn man es jedoch erst einmal begriffen hat, macht es ungeheuren Spaß. Doch genug in Erinnerungen geschwelgt: stellen wir uns den knallharten Realitäten deutscher Kreisverkehre. Da steht man in einer Warteschlange, alle fahren durchgängig auf der rechten Spur und die innere Spur bleibt ungenutzt. Wehe einer kommt gerade aus dem Frankreichurlaub zurück und hat Lust auf Flutschen – man sieht ihn auf der Innenspur erbärmlich verhungern, Runde um Runde muss er drehen, bis er wieder auf die Außenspur zurück darf. Armer Träumer, willkommen daheim. Obwohl es in unseren Kreisverkehren so trist zugeht, gibt es trotzdem Unfälle und die landen freilich auch gern bei Gericht. Das Amtsgericht München befasste sich mit einem Hauptstadtkreisel und stellte Erschreckendes fest: Entgegen verbreiteter Meinung sei es nicht so, dass die Autofahrer im Kreisverkehr automatisch Vorfahrt hätten. Nach der Regelung in der Straßenverkehrsordnung sei dies nur der Fall, sofern an der Einmündung zum Kreisverkehr die Zeichen 215 (Kreisverkehr) und Zeichen 205 (Vorfahrt gewähren) angebracht seien, ansonsten gelte die übliche Regelung "rechts-vor-links" (Az. 343 C 8194/12 ). Dieses Urteil führt das Konzept „Kreisverkehr“ wohl endgültig ad absurdum. Ein Richter am Landgericht Saarbrücken hingegen vermochte offenbar die Nähe seiner Heimatstadt zu Frankreich nicht gänzlich zu leugnen und urteilte in einem ähnlich gelagerten Fall genau in der anderen Fahrtrichtung: Kommt es zu einer Kollision zwischen einem in den Kreisverkehr einfahrenden PkW und einem PkW im Kreisverkehr, so ist der Einfahrende grundsätzlich schuld (Az.: 13 S 196/13). Man hat doch irgendwie das unangenehme Gefühl, in Sachen Kreisverkehr bewegen wir Deutschen uns noch ein bisschen im Kreis und dabei wird einem auf Dauer richtig flau im Magen. Dennoch werden die flotten Zirkel allerorten und für teures Geld munter weiter gebaut – sogar mitten auf Bundesstraßen, so beispielsweise auf der B299 bei Neumarkt St. Veit und das mit dem Segen von Bayerns obersten Verwaltungsrichtern. Der Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München hielt fest: Nur wenn besondere Umstände vorliegen, kann auf der freien Strecke einer Bundesstraße ein Kreisverkehr angelegt werden. Dies ist der Fall im Randbereich von locker bebauten Ortsteilen und sei durch entsprechende Gestaltung und Beleuchtung für den Kraftfahrer erkennbar zu machen (Az. 8 A 07.40046) Wenn er also schon nichts nützt, der Kreisel, dann soll er wenigstens nicht auch noch schaden dürfen. Solange es keinem schwindelig wird dabei… 


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