Lichthupe


Es gibt Worte, die bildhaft Dinge so wunderbar beschreiben, dass man es anders gar nicht ausdrücken könnte – oder wollte. „Schmetterling“ gehört nach meiner Ansicht nicht dazu. Dieses filigrane Tierchen in seinen wunderbaren Farben und dafür ein so grober Begriff? Auch die englische Variante „butterfly“ finde ich verstörend. „Butterfliege“? Was soll man sich denn dabei denken? Passend finde ich dagegen das Wort „Lichthupe“. Ein grelles Aufblitzen eines Scheinwerfers, das so intensiv ist, dass man es regelrecht hören kann. Ein phantastisches Wortbild. Wie die Lichthupe funktioniert, das wissen die meisten Autofahrer. Mir liegen allerdings keine Studien vor, ob die Fahrer bestimmter Automarken abgenutztere Lichthupen-Hebel hinter dem Lenkrad haben, als andere. 

Wichtig erscheint es mir dennoch, Ihnen mitzuteilen, dass Sie die Lichthupe nicht unbedingt benützen müssen – das hat das OLG Hamm entschieden. An einem finsteren Januarabend war ein Mann mit seinem PkW eine düstere Landstraße entlanggefahren. Plötzlich betrat eine Frau die Straße, das Auto erfasste sie und die Frau wurde verletzt. 15.000 Euro Schmerzensgeld forderte sie vor Gericht mit dem Argument, der Fahrer hätte mit Fernlicht oder Lichthupe die Straße besser ausleuchten und Fußgänger damit erkennen können. Doch die Richter verneinten einen allgemeinen Zwang zum Fernlicht auf Landstraßen genauso wie die grundsätzliche Pflicht, die Lichthupe bei Dunkelheit, z.B. bei geparkten PkW am Straßenrand, einzusetzen (Az. 9 U 115/06). 

Normalerweise hat die Lichthupe ja ohnehin einen recht ramponierten Ruf. Das liegt sicher auch an zahlreichen Urteilen, beginnend mit dem AG Mannheim am 01.02.1957. Damals bereits hatte ein Mercedesfahrer einen Ford auf der Autobahn dicht bedrängt, gehupt und ordentlich aufgeblendet. Der Fordfahrer empfand dies als regelrecht „spürbare physische Gewalt“ und das Gericht bejahte eine versuchte Nötigung nach § 240 StGB (Az. 8 Ds 96/56). Dabei ist die Lichthupe doch eigentlich sogar ausdrücklich erlaubt in § 5 Abs. 5 StVO: „Außerhalb geschlossener Ortschaften darf das Überholen durch kurze Schall- oder Leuchtzeichen angekündigt werden“. 

Spannend wird es, wenn das Auto auf der Gegenfahrbahn einen mehrfach kurz anblinkt: Blitzer voraus, runter vom Gas! Aber darf der andere uns mit der Lichthupe warnen? §16 StVO bestimmt: „Schall- und Leuchtzeichen darf nur geben, wer außerhalb geschlossener Ortschaften überholt oder wer sich oder andere gefährdet sieht“. Das OLG Celle, das einen solchen Fall behandelte, stellte fest: Zweck der Vorschrift ist es, durch Warnzeichen vor Gefahren für sich oder andere zu warnen, nicht aber die ungehinderte Durchführung einer polizeilichen Geschwindigkeitskontrolle zu ermöglichen. Deshalb ist ein Bußgeld bei Missbrauch auch angezeigt - jedoch kein besonders erhöhtes (darum nämlich ging es in der Entscheidung), denn das Warnen ist nicht als besonders verwerflich anzusehen. Die Warnung vor einer Radarkontrolle führe ja sogar dazu, dass zu schnell fahrende Verkehrsteilnehmer ihre Geschwindigkeit herabsetzen (Az. 1 Ss (OWi) 101/89). 

Ich schlage vor, Sie winken einfach lieber heftig – aber bitte nicht mit beiden Händen. 

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