Vorsicht Beifahrer 



Mein Beifahrer, das unbekannte Wesen. Naja – hoffentlich nicht wirklich. Wer mag schon unbekannte Wesen neben sich sitzen haben, obgleich das Leben einem ja oft die seltsamsten Streiche spielt. Bevor wir nun aber allzu tief ins Grübeln verfallen, möchte ich ihnen ein wenig darüber berichten, was das Recht so über den Beifahrer weiß. Aus juristischer Sicht nämlich ist dieses „Wesen“ ein höchst schillerndes und faszinierendes, das voller Überraschungen steckt. Das fand auch das Amtsgericht Ibbenbühren heraus.

Ein Autofahrer war ungebremst und ungeachtet aller Ampeln, Schilder und Vorfahrts-regeln in eine Kreuzung hineingerast und hatte einen anderen PkW gerammt. Dass der Mann für den Unfall zu haften hatte liegt auf der Hand. Allerdings war er nicht allein im Auto und gemäß der Devise „geteiltes Leid ist halbes Leid“ verdonnerte das Gericht auch seine Beifahrerin dazu, den Schaden mitzubezahlen. Sie runzeln die Stirn? Sie kennen ja auch noch nicht die ganze Geschichte. Besagte Beifahrerin hatte nämlich den Fahrer mit nicht näher beschriebenen „Zärtlichkeiten“ so sehr vom Straßenverkehr abgelenkt, dass dieser die Kontrolle über sein Auto verloren hatte. Das Gericht befand, dass die Dame, auch wenn es nett gemeint gewesen sein mag, damit ein Mitverschulden an dem Unfall trägt (Az. 3 C 730/90). Man sollte also gut auf die Aktivitäten seines Beifahrers achten. 

Das empfiehlt übrigens auch das Oberlandesgericht Karlsruhe. Dort hatte man über einen Fall zu entscheiden, bei dem ein neunzehnjähriger Beifahrer sich ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte – und dies nicht im übertragenen Sinne. Dummerweise befand sich das Fahrzeug in voller Fahrt und irgendwann begann die Zentrifugalkraft ihre Macht zu entfalten und schon flog der Beifahrer hinaus und verletzte sich nicht unerheblich. Nun machte er Schmerzensgeldansprüche gegen den Fahrer geltend – und bekam Recht. Der Fahrer hat die Aufsichtspflicht darüber, dass alle Personen im Fahrzeug ordnungsgemäß angegurtet sind und sich ordentlich verhalten. Kann er dies nicht gewährleisten, so das Gericht, muss er die Fahrt unterbrechen und für Ordnung sorgen (Az. 10 U 24/98). Es lohnt sich übrigens unbedingt, darauf zu achten, was der Beifahrer so an Gepäck dabei hat. 

Eine Golffahrerin aus Coburg transportierte ihren Verlobten zu einer Familienfeier bei der zukünftigen Schwiegermama. Als ob das nicht dramatisch genug gewesen wäre, hatte der Gatte in spe auch noch das Cello der Schwiegermutter im Gepäck. Vielleicht war das der Grund, weshalb es zum Crash kam – bei dem das Cello bedauerlicherweise in den ewigen Orchestergraben hinabsank. Die Schwiegermutter wollte die Kosten des Cellos nun von der Verlobten ihres Sohnes ersetzt haben. Doch das lehnte das Landgericht Coburg im Rahmen eines Hinweisbeschlusses ab. Haftung müsse nur für solche Gegenstände des Beifahrers übernommen werden, die dieser „üblicherweise“ bei der Fahrt mitführt. Der Cellotransport jedoch sei eine einmalige Vorstellung gewesen (Az. 32 S 39/08).

Da kann man sich nur eine gute KfZ-Haftpflicht wünschen, wenn der Beifahrer Kunsthändler sein sollte. 

Anrufen
Email