Sport ist Mord

Besonders bei der Sportart Fußball fließt das Blut häufig sprichwörtlich noch in Strömen. Ob und wann sich dies auch in einem Schmerzensgeldfluss bemerkbar macht, lesen Sie im Folgenden.


Mit Fußball reich werden. Das ist der Traum vieler kleiner Jungen. Doch da Träume nur selten wahr werden und nur wenige kleine Jungs (trotz des Einsatzes extrem ehrgeiziger Väter) das Talent, das Glück und die Skrupellosigkeit besitzen, um als Profifußballer mit zwanzig den ersten Lamborghini beim Finanzamt als Dienstwagen anzugeben, bleibt die Schar der Fußballmillionäre weiter überschaubar. Dabei gibt es durchaus Mittel und Wege, mit Fußball auch ohne Talent reich zu werden. Im Gegenteil: bei der von mir angesprochenen Methode steht einem Talent mitunter geradezu im Weg! Nein, ich rede nicht von Sportwetten. Ich spreche von Schmerzensgeld. Es gibt, seitdem man in Roms Amphitheatrum Flavium (besser bekannt als Kollosseum) die Sache mit den Gladiatorenkämpfen aufgegeben hat, kaum eine verletzungsträchtigere Sportart, als den Fußball – vom Stierkampf vielleicht einmal abgesehen. Und da kann man sich bereits auf Kreisliganiveau schnell mal eine goldene Nase brechen (bildhaft gesprochen). 

Das Oberlandesgericht München hat einem verletzten Kicker beispielsweise folgende Worte gewidmet: „Der Beklagte wird verurteilt, an den Kläger ein Schmerzensgeld in Höhe von EUR 15.000.- zuzüglich Zinsen in Höhe von 5%-Punkten über dem Basiszinssatz aus EUR 10.000.- seit 21. 09. 2007 und aus weiteren EUR 5.000.- seit 13.02.2008 zu bezahlen.“ (Az: 20 U 3523/08). In der Kurzfassung: Fünfzehntausend Euro Schmerzensgeld! Wie kommt man dazu? Bei einem Fußballspiel der C-Jugendmannschaften des TSV P. und des JFG K. kam es nach einem Freistoß des TSV P. zu einem Foul am Kläger durch den Beklagten („Blutgrätsche“), wodurch der Kläger im Bereich des linken Unterschenkels und Sprunggelenks erheblich verletzt wurde. In der festgestellten Spielsituation hätte es die Fairness geboten, nicht von hinten anzugreifen. Der Beklagte hatte keine Chance, an den Ball zu kommen. Es war offensichtlich, dass der Kläger durch die Grätsche zu Fall kommen würde und hierbei die Gefahr einer Verletzung sehr groß war. In einer solchen Situation hätte aus Gründen der Fairness ein Angriff nicht erfolgen dürfen. Dies war vielmehr ein schwerer Regelverstoß, stellte das Gericht fest. 

Aber man kann seine Knochen beim Fußball auch noch teurer zu Markte tragen: Das OLG Hamm billigte einem gefoulten Spieler sagenhafte 50.000 Euro zu (Az.: I-6 U 241/11). Der Kläger hatte sich bei einem Kreisliga-Spiel so schwer am Knie verletzt, dass er seinen Beruf als Lackierer nicht mehr ausüben konnte. Im vorliegenden Fall haftete der Beklagte, weil er unter Verstoß gegen die DFB-Fußballregel Nummer zwölf („Verbotenes Spiel und sportliches Betragen“) rücksichtslos gehandelt haben soll. Schmerzensgeldmäßig hat er damit den ganz großen Pott geholt. 

Doch wer auf Schmerzensgeld beim Fußball spekuliert, der landet auch schnell mal in der Abseitsfalle. Der Profispieler Matias Concha vom VfL Bochum hatte sich 2010 beim Zusammenprall mit Macchambes Younga-Mouhani von Union Berlin verletzt und hätte dafür gerne 200.000 Euro gesehen. Nachdem er die vom Landgericht Berlin-Tegel ins Spiel gebrachten 5000 Euro Vergleichssumme als schadenersatzmäßig dritte Liga abgelehnt hatte, wurde die Klage abgepfiffen.   

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