Vertrauen Sie Ihrem Arzt? 

Ärzte - Götter in weiß? In den unten beschriebenen Fällen wohl eher nicht. 


"Am häufigsten werden Tupfer oder Bauchtücher vergessen, OP-Besteck oder ähnliche Materialien kommen seltener vor", sagt Prof. Hubertus Feussner vom Münchener Klinikum rechts der Isar. Er meint damit, dass diese Utensilien nach Abschluss des Heileingriffes (oder sollte man besser „Heilangriff“ sagen?) im Patienten verbleiben. Ich persönlich fände den Gedanken ziemlich furchteinflößend, ein Messer im Bauch zu haben, obwohl ich niemals in Streitereien mit Motorradrockern verwickelt bin, sondern mir lediglich den Blinddarm habe entfernen lassen und der Chirurg das Skalpell nicht wieder herausgeholt hat. 

Wenn man Glück hat kommen vergessene Teile übrigens von alleine wieder heraus. So einen Fall hatte das Oberlandesgericht Zweibrücken zu behandeln. Nach einer Kreuzbandoperation wurde ein aus Titan gefertigter, drei Millimeter dicker „Kirschner-Draht“ im Patienten vergessen. Nach etwa acht Monaten trat der Draht aus dem Rücken des Mannes hervor und konnte entfernt werden. Das Gericht erkannte einen „ärztlichen Kunstfehler“ und sprach dem Patienten Schmerzensgeld zu (Az. 5 U 3/07). 

Als Jurist stellt sich mir hier ja die Frage, wem so ein vergessenes Teil eigentlich gehört, wenn der Patient erst einmal zugenäht ist? Gemäß §§ 947, 948 BGB geht das Eigentum an einem Teil nämlich über, wenn man es in etwas Größeres einbaut. Ich vermute allerdings, diese Frage beschäftigt betroffene Patienten nur am Rande. Die fragen sich möglicherweise eher, wer für Pfusch am OP-Tisch geradestehen muss? Bei einen Behandlungsfehler haftet der Arzt, wenn er die anerkannten Regeln der ärztlichen Wissenschaft außer Acht gelassen hat, gegen die ärztliche Sorgfaltspflicht verstoßen hat, durch eine falsche Behandlung bei einem Patienten einen Schaden verursacht hat, dieser Schaden auf die Pflichtverletzung des Arztes zurückzuführen ist und dem Arzt ein Verschulden nachgewiesen werden kann. Das gilt dann schon mal nicht, wenn der Arzt gar kein Arzt ist. 

Ein gewisser „Dr. Schenker“ aus Böblingen behandelte über 150 Patienten im Klinikum München rechts der Isar. Dass er gar kein Arzt war, fiel nicht etwa deshalb auf, weil er jemandem eine falsche Infusion verabreicht hatte. Das klappte sogar ganz passabel. Das Problem war vielmehr seine verheerende Rechtschreibung bei Arztbriefen. Es stellte sich heraus, dass er lediglich über einen Hauptschulabschluss verfügte und seine ärztliche Zulassung aus dem Internet heruntergeladen hatte. Das Landgericht Stuttgart schickte ihn dafür im April 2011 hinter Gitter. 

Eine kuriose Entscheidung noch aus der Schweiz: ein Psychologe hatte dort Gefallen an einer Patientin gefunden. Auf Kosten der Krankenkasse hatten die beiden regelmäßig „therapeutischen Sex“ miteinander. Die schweizer Richter beurteilten diese Behandlungsmethode als ungeeignet und sahen darin einen schweren Kunstfehler (Urteil 6S.381/2004 - BGE-Publikation). 

Mein Rat: Bleiben sie lieber gesund! 

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