Gartenzwerge

Ein Muss für jeden Deutschen oder doch nur eine Zumutung für den Nachbarn? - Gartenzwerge lösen in den Vorgärten vieler Deutscher gemischte Gefühle aus...












Wie „deutsch“ sind Sie eigentlich? Ich meine das ganz wertneutral, Sie können also ehrlich antworten. Machen wir doch einen einfachen Test und werfen einen Blick in Ihren Garten: Eine Regentonne, Rasen, an einigen Stellen Löwenzahn. Aber halt, was ist das? Ein kleiner Kerl, etwa dreißig Zentimeter hoch, Latzhose, Laterne in der Hand, mit „Hipster-Bart“ (so nennt man Vollbart heute) und einer roten Zipfelmütze. Jetzt können Sie es nicht länger leugnen! Ich weiß gar nicht, ob es irgendwo sonst auf der Welt Gartenzwerge gibt? Es ist allerdings durchaus nicht so, dass alles, was „typisch deutsch“ ist auch als in Deutschland unumstritten bezeichnet werden könnte. Das geht ja schon allein deshalb nicht, weil manche das Streiten als typischen Bestandteil unserer „Leitkultur“ betrachten. 

Und so wird natürlich vor deutschen Gerichten auch bis zur letzten Instanz um Gartenzwerge gestritten. Und was sagt der Bundesgerichtshof dazu? Selbst wenn man sie abgrundtief spießig findet: der Nachbar hat ein Recht darauf, denn „nicht jeder hässliche Anblick begründet zugleich einen Beseitigungsanspruch“, finden die obersten Richter mit ihren roten Mützen (Az. V ZR 172/84).

Nur in besonders krassen Ausnahmefällen kann ein Unterlassungsanspruch gegen Gartenzwerge bestehen, sagt der BGH (Az. V ZR 83/73). Über so einen Fall hatte das Amtsgericht Grünstadt zu entscheiden. Da waren sich zwei Nachbarn nämlich ganz und gar nicht grün und als der eine von beiden dann auch noch eine Armee von lackierten Terrakottagnomen an der Grundstücksfront aufmarschieren ließ, ging dem anderen die Zipfelmütze hoch. Die kniehohen Bürschlein hatten es allerdings auch faustdick unter der Kapuze! Ein Dutzend der Jungs streckte dem Nachbarn dreist die Zunge heraus. Einer steckte sich den Finger in den Hals, einer zeigte seinen nackten…nun ja, er hatte die Hosen ganz runter und einer reckte sogar frech den ausgestreckten Mittelfinger gen Himmel. „Freiheit der Kunst“ argumentierte der Herr der Zwerge vor dem Amtsrichter in Grünstadt. Doch der war scheinbar ein Kleingeist und hielt die kleinen Geister für eine grobe Beleidigung. Die versauten Winzlinge seien „tönerne Stellvertreter“ und deren Gesten damit dem Zwergenvater zuzurechnen. Entsprechend wurde dieser zur Unterlassung verurteilt und musste die Kerlchen zurück ins Bergwerk schicken - oder wo sonst er sie auch immer her hatte (Az. 2a C 334/93). 

Ähnlich begann es mit einem nachbarhassenden Zwerg (oder umgekehrt?) vor dem Amtsgericht Elze. Auch dieser kleine Geselle hatte sich an der Grundstücksgrenze positioniert und zeigte unverkennbar den Mittelfinger. Der Nachbar zog erzürnt vor Gericht, der Amtsrichter besichtigte den Gartenwächter - und stellte Kurioses fest: Um des Zwergen winziges Stinkefingerchen war ein winziges Tüchlein gewickelt und damit war ein klitzekleines Blümchen befestigt. So wusste der beleidigte Nachbar zwar genau, was der Hartbrandwichtel ihm mit der kleinen Geste mitteilen wollte – weil er es aber „durch die Blume“ sagte, sah das Gericht keinen Unterlassungsanspruch (Az. 4 C 210/99). 

Höflichkeit siegt eben, auch im Kleinen.

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