Kinderlärm



Wenn Sie Kinder nicht mögen, wird es heute verdammt hart für Sie. Das Problem ist nämlich: die deutschen Gerichte scheinen aus irgendeinem absurden Grund einen regelrechten Narren an Kindern gefressen zu haben. Die lassen diesen Bälgern wirklich alles durchgehen! Wenn das so weiter geht, dann herrschen in Deutschland bald Zustände wie bei mir zuhause. Ich habe inzwischen nämlich jeden Widerstand aufgegeben und erkenne die uneingeschränkte Herrschaft meiner Kinder über Haus und Hof unumwunden an. Ich hab´ doch eh keine Chance.

Fangen wir bei den Gesetzen an: „Geräuscheinwirkungen, die von Kinder-tageseinrichtungen, Kinderspielplätzen und ähnlichen Einrichtungen wie beispielsweise Ballspielplätzen durch Kinder hervorgerufen werden, sind im Regelfall keine schädliche Umwelteinwirkung. Bei der Beurteilung der Geräuscheinwirkungen dürfen Immissionsgrenz- und -richtwerte nicht herangezogen werden.“ Steht so im Bundesimmissionsschutzgesetz wörtlich drin. Das bedeutet: wenn mein Jüngster mit seinem Bobbycar Geräusche wie eine landender Hubschrauber macht, darf ich ihn nicht verklagen, obwohl es anerkannt gesundheitsschädigend ist, neben einem Flughafen zu wohnen.

Noch schlimmer wird es, wenn es nicht mal ihre eigenen Kinder sind. Stellen Sie sich vor, die kleine Rothaarige mit der ständig laufenden Rotznase aus der Nachbarwohnung kriegt zum Geburtstag eines dieser elektronischen Keybords geschenkt, mit zwanzig eingespeicherten, polyphonen Kinderliedern und sie wenden sich nun hilfesuchend an den Bundesgerichtshof . Pustekuchen! Die Karlsruher Richter weisen darauf hin, dass sich die angemessene Lautstärke von Kindern in Mehrparteienhäusern gerade nicht nach den Ruhe- und Ordnungsvorstellungen Dritter, sondern nach den Wohn- und Lebensbedingungen sowie den Bedürfnissen der Kinder bestimmt (Az. VIII ZR 244/02). Und was ist mit dem brüllenden Baby aus der Wohnung gegenüber? Das ist doch ein astreiner Mietminderungsgrund, mindestens 20%? Vergessen Sie es. Auch wenn Nachbarn nach 22.00 Uhr generell nicht belästigt werden dürfen, muss ein Mieter das nächtliche Geschrei des Babys eines anderen Mieters hinnehmen (OLG Düsseldorf, Az. 9 U 218/96). Sie meinen, dann kündigen Sie eben fristlos Ihre Wohnung und begründen es mit diesen rotzfrechen dreizehnjährigen Zwillingen aus dem vierten Stock, die trotz des riesigen „Ballspiele strengstens untersagt“- Schildes permanent bei den Garagen kickern? Der von Kindern erzeugte Spiellärm begründet auch dann keine Kündigung des Wohnungsmietvertrags, wenn Kinder statt auf dem vorgesehenen Spielplatz der Wohnanlage, trotz eines Verbotsschilds, auf dem daneben liegenden Garagenhof lärmen (LG Wuppertal, Az. 16 S 25/08). Sie haben eigentlich nur eine einzige Chance: Schokolade. Mit vollem Mund sind die Biester etwa zwei Minuten still. 

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