Richteralltag


Für uns Demokraten ist es sehr ungewöhnlich, einem Menschen gegenüberzustehen, der ganz alleine, ohne Weisung Dritter und nur seinem eigenen Gewissen verpflichtet, über unser Wohl und Wehe entscheiden darf. Sie meinen, das gibt es gar nicht? Dann waren Sie wohl noch nie bei Gericht. Dort vorne, die Person in schwarz! Nein, nicht die Gestalten im Vordergrund, die die schwarze Robe so lässig übergeworfen haben? Das sind nur Rechtsanwälte. Ich meine die erhöhte Figur in der Mitte. Die Richterin oder den Richter. Vergessen Sie Politiker und Wirtschaftskapitäne – das da vorne ist die mächtigste Figur in unserer Demokratie. Aber auch eine solche Lichtgestalt muss sich nur allzu oft in den Niederungen der menschlichen Natur zurechtfinden und nirgends menschelt es mehr, als bei Gericht. 

Da ermahnte ein Richter einmal eine Dame im Zeugenstand: "Sie wissen schon, was Sie für eine Falschaussage bekommen?" "Ja, Herr Richter“, antwortete sie,  „10.000 Euro und ein Cabrio!" Und auch Richter müssen natürlich erst einmal Berufserfahrung sammeln, bis sie über die Weisheit Salomos verfügen. 

Ein junger Strafrichter fragte seinen älteren Kollegen: "Ich verhandle da gleich einen Schwarzbrenner, der Zwetschgengeist gemacht hat. Wie viel soll ich ihm geben?" Der Kollege grübelte kurz: "Auf keinen Fall mehr als fünf Euro pro Liter!" So ehrenwert das Amt des Richters auch sein mag – man muss sich manche Dreistigkeit gefallen lassen. Ein Mann wird wegen Beamtenbeleidigung vor Gericht zitiert und der Richter bietet ihm eine Geldstrafe von 100 Euro an. "Möchten sie etwas dazu sagen?" Darauf der Angeklagte: "Mir läge schon was auf der Zunge, aber das wird mir dann doch zu teuer!" Da war auch dieser obdachlose Taschendieb. Auf die Frage des Richters, was er von Beruf sei, antwortet der frech: "Arbeitgeber, Herr Vorsitzender!" Der Richter ungehalten: "Wem werden Sie schon Arbeit geben?!" - "Ihnen zum Beispiel". 

Dass Richter unbestechlich und gerecht sind, ist auch in Deutschland nicht immer selbstverständlich gewesen. Als einmal ein hoher SED-Funktionär betrunken zwei DDR-Bürger angefahren hatte, fragte er den Richter verängstigt nach seiner Strafe. "Du bekommst natürlich keine, Genosse! Der Mann, der durch deine Scheibe flog, wird wegen Einbruchs verurteilt. Den anderen, der 15 Meter durch die Luft flog, bestrafe ich wegen Unfallflucht."

Auch Richter müssen übrigens oft pragmatisch sein. Zwei Richter gehen im Park spazieren. Ein Mann schreit einen der beiden an: "Ihr Hund hat meine Hose zerrissen. Geben sie mir 100 € oder ich verklage sie!" Der angesprochene Richter gibt dem Mann ohne zu zögern das Geld. Sein Kollege fragt erstaunt: „Warum hast du bezahlt? Du hast doch gar keinen Hund!“ „Man weiß nie, wie die Gerichte entscheiden“, antwortet darauf der erste resigniert. Einen noch zum Schluss: Bei der Verhandlung gegen einen Exhibitionisten lässt dieser plötzlich vor der Richterin die Hosen herunter. Sie blickt nach kurzem Staunen den Verteidiger des Mannes an und sagt: „Ich neige dazu, die Sache wegen Geringfügigkeit einzustellen“.

 



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