Wie man Anwalt wird 


Wie wird man eigentlich Rechtsanwalt? "Am besten gar nicht!", werden viele Kollegen jetzt vielleicht antworten und an so manch zermürbenden Rechtsfall zurückdenken, der sie frühzeitig weit über die Schläfen hinaus hat ergrauen lassen. Welche Häme und Spott übrigens öffentlich ausgegossen werden, wenn männliche Anwälte ihrer berufssorgenbedingten Kopfversilberung kolorierend entgegenzuwirken versuchen, zeigte der Fall des Kollegen Rechtsanwalt Schröder, der als Bundeskanzler über die Kreise der niedersächsischen Anwaltschaft hinaus gewisse Bekanntheit erlangt hat. 

Politiker ist übrigens eine beliebte Exitstrategie für Rechtsanwälte, wie auch die Kollegen Hadertauer und Beckstein beweisen. Wobei die beiden eigentlich eher beweisen, dass man im Zweifel immer wieder die Robe anziehen kann, wenn man überall anders gescheitert ist. Und wer die kniehohen moralischen Hürden des Juristenberufes nicht mehr zu erklimmen vermag, der geht eben in die freie Wirtschaft - wo wir schon wieder beim Kollegen Schröder wären. Der verließ sich dabei auf seinen Kollegen Putin (Jurist und Völkerrechtsexperte), der ihm beibrachte, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen Recht haben und Krim kriegen. Der Verlust der Haarpracht und die Erlangung eines politischen Spitzenamtes sind freilich nur Teilbereiche der weitgefächerten anwaltlichen Berufsrisiken. 

Im Internet findet sich in einem Forum, in dem Schüler sich Stoff für Referate beschaffen, ein Beitrag des Users „jones49“, der aus scheinbar eigener Erfahrung heraus Fragen des Users „flo“ zum Berufsbild des Rechtsanwaltes beantwortet: „Was sind die Aufgabenfelder? – So zu tun, als hätte man was zu tun“. „Kann jeder diesen Beruf erlernen? – Ja, leider“. „Gibt es ein Berufsrisiko? – Hang zu Alkoholismus“. „Arbeiten mehr Frauen oder Männer in der Branche? – Nach zwanzig Jahren in der Branche ist kein Unterschied mehr zu erkennen“. „Gibt es Aufstiegsmöglichkeiten? – Nein, man fängt ganz oben an und ist nach spätestens fünf Jahren im Abgrund“. 

Hier stellt sich die Frage, ob es Rechtsanwälten schon immer so schlecht ging? Einer der berühmtesten Anwälte überhaupt war der alte Marcus Tullius Cicero. Ein Zeitgenosse Cäsars, der sich manchem Kollegen bei der Erlangung seines Latinums, unentbehrliche Zulassungsvoraussetzung für das Studium der Rechtswissenschaften in Bayern, in unangenehme Erinnerung gebracht haben mag. Cicero jedenfalls konnte, eine verbreitete rechtsanwaltliche Untugend, den Mund einfach nicht halten und wurde deshalb nicht nur aus Rom vertrieben sondern 43 v. Chr. auch noch ermordet. 

Sollte nun irgendwer behaupten, wir Anwälte würden nur deshalb so schlecht über unseren Beruf reden, weil wir gern unter uns bleiben möchten - also dem drohe ich vom Fleck weg eine Unterlassungsklage an! Wer jung genug und davon unbeeindruckt ist, kann es ja mal mit einem Praktikum in einer Rechtsanwaltskanzlei versuchen. 

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