Kondome









In der Vorweihnachtszeit begegnen uns allerlei Fabelwesen. Rudolph, das rotnasige Rentier und der Konsumkobold namens „Santa Claus“ zum Beispiel. Mit einem weiteren Vertreter aus dem Reich der Mythen und Legenden hat sich unlängst das Landgericht Düsseldorf befasst: der multiple Orgasmus. Und wer könnte eine solche Fantasievorstellung besser verbreiten, als eine Firma mit dem Namen „Einhorn“? Selbige Firma vertreibt Medizinprodukte im Sinne des § 3 MPG. Genauer gesagt handelt es sich um Latexlümmeltüten (Kondome, wie der Volksmund sagt). Kondome mit an Magie grenzenden Fähigkeiten, denn auf der Packung stand: „1 Tüte à 7 Stück entspricht bis zu 21 Orgasmen“. Ganz recht: das wären drei Lusthöhepunkte pro Gummi! Die Konkurrenz mit den „normalen“ Präservativen hatte das wohl falsch verstanden und brachte die Einhörner vor Gericht. Der Vorwurf: Irreführung des Verbrauchers. Der könnte ja glauben, diese Verhüterli seien mehrfach verwendbar! Mal so unter uns Verbrauchern: die Idee, ein Kondom wiederzuverwenden erscheint mir doch wenig verlockend? Außerdem ist diese Form des Recyclings auch verboten, wie sich aus der für Kondome anwendbaren EN ISO 4074: 2002 ergibt. 

Zudem hatten die Einhorn-Verhütungs-Anwälte von den Düsseldorfer Richterinnen zwei schlagende Argumente vorgebracht. Drei Orgasmen pro Präser? Das sind einer für den Mann und zwei für die Frau! Sie wundern sich, weil sich das nicht mit Ihren persönlichen Erfahrungen deckt? Das zweite Argument überzeugt Sie vielleicht eher: auf der Rückseite der Packung stand: „Kann Spuren von Feenstaub enthalten“. Wer jetzt noch nicht verstanden hat, dass das Ganze ein Spaß sein soll…? Aber Recht und Spaß gehen nicht gut zusammen und bevor sich einer die kalte Tüte ein zweites mal überzieht, hat das Gericht den lustigen Spruch lieber verboten (Az. 14C O 124/15). 

Bei Orgasmen sind die deutschen Gerichte übrigens grundsätzlich sparsam. Ein Sozialleistungsempfänger hatte vor dem Verwaltungsgericht Ansbach geklagt, weil er die Kosten für wöchentliche Besuche bei Prostituierten, Taschentücher fürs „Fernsehen“ und Kondome als zusätzliche Sozialleistungen vom Staat verlangte. Die Ausübung der Sexualität jedoch, so die Richter, sei Bestandteil der allgemeinen Lebensführung und müsse damit aus den Regelsätzen finanziert werden (Az. AN 4 K 04.00052). 

Kondome schützen – aber nicht vor Dummheiten. Eine Frau, die sich wegen eines anderen von ihrem Ehemann trennte und dessen Vaterschaft für ein gemeinsames Kind anfocht, musste dies herausfinden. Der BGH hielt ihr eine komplizierte Überlegung vor: die zweijährige Frist zur Anfechtung der Vaterschaft des Ex-Mannes habe im Zeitpunkt des Beischlafs mit dem Liebhaber begonnen, denn ab da sei die Möglichkeit eines Kindes im Spiel gewesen. Aber, argumentierte die Dame – sie habe doch ein Kondom benutzt! Der BGH jedoch hat kein Vertrauen in Kondome. Die „Versagensquote“ sei so hoch, dass jederzeit was „danebengehen“ könne (BGH XII ZR 58/12).

Und, was heißt Kondom auf Schwedisch? „Pipi Langstrumpf“. 

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