Sex on the Beach


Mögen Sie „Sex on the beach“? An heißen Tagen hochbegehrt! Sie benötigen dazu: jeweils 4 cl Wodka, Peach-Tree-Likör, Zitronen-, Orangen- und Ananassaft, dazu 1 cl Grenadine. Eis dazu, kräftig schütteln, fertig. Ach - Sie sprechen verhandlungssicher Englisch und hatten bei „Sex on the beach“ deshalb an etwas ganz anderes gedacht? Da müssen Sie aber vorsichtig sein, besonders in Bayern! Zunächst einmal ist in Bayern ein „beach“, also so ein richtiger Sandstrand, gar nicht so leicht zu finden. Nun gut, entlang der Badeseen vielleicht und auch an der Isar. Dahin hatte sich 1965 eine nackige Frau verirrt. Was heißt verirrt, sie lag da halt, wie Eva, in der Sonne. Ganz alleine übrigens, kein Partner dabei. Und gut versteckt. Dennoch bestätigte das (inzwischen, allerdings aus anderen Gründen, abgeschaffte) Bayerische Oberste Landesgericht eine Geldstrafe gegen die Dame. Die bayerischen Richter gingen dabei davon aus, dass „die Anschauung der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes die Verneinung eines natürlichen Schamgefühls durch ungeniertes Zur-Schau-stellen des nackten Körpers im täglichen Leben ablehnt". (Az. BWReg. 4 b St 84/64). 

Das klingt fast nach amerikanischen Verhältnissen! In Florida beispielsweise wurde unlängst ein gewisser Mr. Caballero zu dreißig Monaten Haft verurteilt, weil er (echten) „Sex on the beach“ (nämlich am Bradenton Beach auf Anna-Maria-Island), mit seiner Freundin Elissa gehabt hatte. Aber das hätte ihm durchaus auch vor dem Amtsgericht Augsburg passieren können. Ein 18-jähriger hatte in der Therme von Neusäß seine 19-jährige Freundin in die so genannte „Erlebnisgrotte“…begleitet. Sie haben die Details sicher in der Presse gelesen. Jedenfalls sah der Augsburger Richter darin einen klaren Fall von § 183a StGB (Erregung öffentlichen Ärgernisses). Im Gesetz heißt es: „Wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft“.

Sie sehen schon: es ist nicht verboten, sich an öffentlichen Orten gemeinsam zu vergnügen. Man darf halt niemanden dabei stören. Deshalb stieß das im Juni diesen Jahres gefällte Augsburger Urteil auch auf breites Unverständnis in Juristenkreisen: trotz milden Jugendstrafrechts wurden die beiden für ihre harmlose Grenzüberschreitung zu zwei Wochen Dauer- bzw. Freizeitarrest verknackt. Es mag eine wichtige Rolle gespielt haben, dass der Bademeister der Titania-Therme erwähnte, dass auch Whiskey und Haschisch im Spiel gewesen sein dürften und dass die jungen Sittenstrolche sich vor dem Amtsgericht Augsburg außergewöhnlich „undiplomatisch“ aufführten. Die Sache ist zwischenzeitlich in Berufung. 

Richtig heftig fiel im Juli 2014 auch ein Urteil des Amtsgerichts Neu-Ulm gegenüber einer 36-jährigen Prostituierten aus, die für 50 Euro Freier an den Badestränden des Pfuhler-Sees an Kolleginnen vermittelte. Wegen illegaler Prostitution verhängte die Richterin vier Monate Haft – ohne Bewährung. 

Ich empfehle Ihnen: Genießen Sie Ihren „Sex on the beach“ mit einer Scheibe Limette daheim im Garten. Da sieht es keiner. 

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