Solche und solche Drogen


Mal ganz ehrlich, Hand aufs Herz – haben Sie es schon mal probiert? Sie wissen schon. Einen Joint geraucht. Vielleicht damals, in den wilden Siebzigern? Als Sie noch Haare bis zum Hintern hatten? Oder das eine Mal, als Sie beim Abiball schwach geworden sind? Haben Sie es wie Bill Clinton gehandhabt? Der hat ja angeblich nur gepafft, aber nicht inhaliert. 

Die Meinungen über diese Droge gehen weit auseinander. Unwahrscheinlich ist es, dass uns das Zeug zu besseren Menschen macht oder für einen klaren Kopf sorgt. Vermutlich ist das ein Grund, warum Bayerns Gerichte beim Thema Cannabis (Anbau, Herstellung, Handel, Einfuhr, Ausfuhr, Abgabe, Veräußerung, sonstige Inverkehrbringung, Erwerb und Besitz von allen Pflanzenteilen und Saatgut des Cannabis sind nach §§ 29 ff BtMG strafbar, nicht aber der Konsum). 

Ganz anders ist das mit dem Alkohol. Alkohol in normalen Mengen enthemmt und verursacht Kontrollverlust. In größeren Mengen führt er zur totalen Entwürdigung und Entleerung des Mageninhaltes in Stadtparks, Taxis und U-Bahnen und bei regel-mäßigem Missbrauch zum Verlust von Freunden, Familie und Arbeitsplatz und schwersten, irreversiblen Erkrankungen. Das wissen wir alle aus mehr oder minder eigener Erfahrung und brauchen dazu keinen Richter. 

20.000 Menschen jährlich werden alkoholbedingt bei Verkehrsunfällen in Deutschland verletzt oder getötet. Während wir aber mit Cannabis recht hart zu Gericht gehen, steht unsere Gesellschaft dem „Kurzen“ mit rührend naiver Hilflosigkeit milieu- und genera-tionsübergreifend gegenüber. 

Dreizehnjähriger nach Kirchweih mit Alkoholvergiftung auf Intensivstation? Ein unverzichtbarer Initiationsritus in Teenagerkreisen auf dem Weg zu gesellschaftlicher Anerkennung. So erscheint es nicht allzu verwunderlich, dass das Bundesverwaltungs-gericht in Leipzig, das über die Frage der Entziehung der Fahrerlaubnis bei Mischkonsum von Cannabis und Alkohol, also beidem auf einmal, entscheiden sollte, die Notbremse zog. Wer sowohl Alkohol als auch Cannabis „gelegentlich“ konsumiert, ist zum Führen eines Autos ungeeignet. (BVerwG 3 C 32.12 vom 14.11.2013). 

Das Gericht entschied dabei letztinstanzlich gegen die verblüffend gemäßigte Ansicht des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes. Man muss weder beides gleichzeitig tun, noch dabei akut den Wunsch zum Autofahren  hegen. Es reicht wenn man irgendwann einen „Dübel“ gezündet hat und außerdem gelegentlich einen Klaren trinkt, schon ist der Lappen in Gefahr – auch wenn die beiden Laster weder gleichzeitig zelebriert werden noch mit dem Autoschlüssel in der Hand (Nr. 9.2.2 der Anlage 4 zur Fahrerlaubnis-Verordnung). 

Das stellt die Sache mit dem Joint am Abiball in ein ganz anderes Licht! Nach aktuellen Statistiken müsste man bei dieser strengen Auslegung wohl 35% der unter 25-jährigen den Führerschein abnehmen. Also der Gesundheit zuliebe lieber das Schnapserl weglassen? 

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