Insektenstiche


Wenn ich beim Duschen so an mir herunterblicke, offenbaren sich mir drei verschiedene Farben. Zunächst ein sattes Braun, das der Gartenarbeit und dem Herumlungern im Freibad geschuldet ist. Weiter ein jungfräuliches Weiß an jenen Stellen meines Körpers, die ich weder im Garten noch im Freibad freiwillig herzeige. Und dann sind da diverse rote Punkte. Die Ursache wird mit unterschiedlichen Namen gerufen. Mücke, Schnake, Stanze – doch sie machen immer dasselbe widerlich hochfrequente Geräusch, bevor sie uns das Blut abzapfen. Auch allerlei anderes stechendes Getier behelligt uns an diesen heißesten Tagen seit Beginn der Wetteraufzeichnung in den Biergärten und auf den Liegewiesen und brandmarkt uns mit juckenden Entzündungen. Dagegen helfen Gels, Zitronensaft – und Gerichte. 

Allerdings nicht unbedingt das hessische Landessozialgericht. 

Ein Mitarbeiter eines Textilunternehmens war für seinen Arbeitgeber im Ausland unterwegs. Auf dem Weg zu seinem Hotel nahm er eine Abkürzung durch einen Park, in dem eine Kreatur auf ihn lauerte, deren Identität bis heute ungeklärt ist. Sicher ist nur: das Biest stach ihm in den Nacken, es juckte grauenhaft, schnell bildete sich ein großer roter Fleck. Als er die Sache daheim in Deutschland seinem Arzt zeigte, musste der bereits eine Borreliose diagnostizieren. Klassischer Arbeitsunfall, dachte sich der Mann. Die Berufsgenossenschaft jedoch sah das ganz anders und so summten Heerscharen von Gutachtern durch mehrere Instanzen bis das LSG entschied: ob die Erkrankung tatsächlich auf den mysteriösen Stich zurückgeht und damit als Arbeitsunfall zu qualifizieren wäre, bleibt ungeklärt. Deshalb blieb der Kläger auf seinem Schaden sitzen (Az. L 3 U 97/95).

Mehr Linderung gegen ihr juckend verletztes Gerechtigkeitsempfinden fand eine 37-jährige Frau aus Hannover, die nach einem Zeckenbiss ein Krankenhaus aufgesucht hatte. Der Arzt notierte: „Rötung, Juckreiz seit drei Tagen, allgemeines Unwohlsein, Rücken- und Knieschmerzen“ und verschrieb Gel. Das verhinderte die folgende Borreliose jedoch nicht und so rief die erkrankte Patientin die ärztliche Schlichtungsstelle an. Dort stellte ein Gutachten fest: Das Vorliegen eines Insektenstiches gefolgt von der beschriebenen Rötung einhergehend mit Juckreiz sowie allgemeinem Unwohlsein, Rücken- und Knieschmerzen hätten den behandelnden Klinikarzt veranlassen müssen, die Differentialdiagnose Borreliose in seine weiteren Überlegungen einzubeziehen. Dass dies nicht erfolgt ist, ist als Diagnose- und demzufolge auch als Behandlungsfehler zu werten.“ Die Höhe der Entschädigung ist nicht bekannt (Niedersächsisches Ärzteblatt 08/2004). 

Weniger hilfreich gegen Juckreiz: das Landgericht Düsseldorf. Ein Ehepaar aus Nordrheinwestfalen hatte eine sündhaft teure Kreuzfahrt gebucht, die ihnen durch lästige Insekten gründlich verdorben wurde. Da half es auch wenig, dass der Schiffsarzt sie großzügig täglich mit Cortison eincremte. Zuhause angekommen zog man sogleich vor Gericht, forderte 7200 Euro zurück – und unterlag. Der „Reisemangel“ war nämlich nicht innerhalb der nötigen Vier-Wochen-Frist nach Bekanntwerden (also dem letzten Stich) geltend gemacht worden (Az. 1 O 254/05). 

Vielleicht helfen Quarkumschläge?

 

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