Probleme mit den Möpsen


Heute geht es um Möpse. Nein – nicht was sie schon wieder denken! Es geht um diese kleinen dicken Hunde mit dem faltigen Gesicht und der platten Nase. Nicht zu verwechseln übrigens mit Pekinesen. Pekinesen und Möpse verwechseln, das ist als würde man einen Trabant und ein Gogomobil nicht auseinanderhalten können. 

Ich möchte unsere Betrachtungen mit den Worten eines ausgewiesenen Mops-Fachmannes einleiten – Ernst Jandl aus Wien: „Ottos Mops kotzt. Otto: Ogottogott“. Und da wären wir auch schon im Zentrum des Problems! Was tun, wenn der Mops kotzt? Oder einen anderen Defekt hat, der seine vertraglich vereinbarte Tauglichkeit einschränkt? Immerhin schiebt man für so einen ausgereiften Mops eine ganze Stange Geld über den Tresen und da wünscht man sich als Verbraucher dann bitte doch auch die volle Funktionalität. 

Unlängst erst musste sich das Amtsgericht Ingolstadt mit ebendieser Frage aus-einandersetzen. Prominente Mopsliebhaber aus der ganzen Republik waren mit ihren asthmatisch keuchenden kleinen Lieblingen angereist, um live und vor Ort das juristische Schicksal der Mopsdame „Emma“ zu verfolgen. 1400 Euro hatte die Klägerin für Emma bezahlt, in der Hoffnung, einen genetisch gesunden Mops zu erstehen. Sie finden „genetisch gesund“ und Mops schließe sich generell aus? Das ist aber schon eine sehr sarkastische Auffassung. Tatsächlich soll der besagte Mops aus Ingolstadt neben einer Arthrose auch noch unter einer Sehnenerkrankung leiden. Die Eigentümerin fordert wegen dieser Defekte vom Kaufpreis 700 Euro zurück. Einen eindringlichen Vergleichsvorschlag des Gerichts, sie solle sich doch mit 500 Euro zufrieden geben, weil die notwendige gutachterliche Untersuchung des kaputten Mopses das Tier zusätzlich quälen würde, lehnte die Klägerin aus grundsätzlichen Gerechtigkeitserwägungen ab. Das Gericht wird nun zu prüfen haben, inwieweit der Anspruch der Klägerin aus Erwägungen des Verbrauchsgüterkaufs (also gemäß § 474 BGB des Kaufs einer beweglichen Sache durch einen Verbraucher) berechtigt ist. 

Dabei stellt sich die Frage: ist ein Mops denn eine Sache? Die Urheber des BGB geben sich hier zynisch: gemäß § 90a BGB ist ein Tier natürlich keine Sache – es ist aber rechtlich wie eine Sache zu behandeln. (Ausnahme: Bienenschwärme. Die sind gemäß §§ 961ff. BGB, anders als wiederum Ameisen, „Sachen“). 

Die Entscheidung aus Ingolstadt könnte noch spannend werden. Der Bundesgerichtshof findet: „Hinsichtlich eines in der Natur des Tieres begründeten genetischen Fehlers ist dem Züchter keine Fahrlässigkeit vorzuwerfen, wenn er die Zucht nach den dafür geltenden, auf Wissenschaft und Erfahrung beruhenden züchterischen Grundsätzen betreibt“ (BGH VIII ZR 281/04). 

Was hätte wohl Loriot dazu gesagt? Überliefert ist nur dieses Zitat: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“. 

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