Seitensprung mit Folgen 


Sie werden ungläubig lachen, aber es ist die reine Wahrheit: ich besitze eine kleine Ziegenherde. Eine winzige genaugenommen. Es sind nur vier Tiere, noch dazu Zwergziegen. Wobei – neuerdings sind es eigentlich fünf. Als ich kürzlich nämlich abends in den Stall kam, traute ich meinen Augen kaum. Da standen meine vier Zwergziegen und in der Mitte ein winziges, graues Kerlchen auf staksigen Beinen. Ein Ziegenbaby. So etwas Putziges habe ich selten gesehen und ich bin sehr stolz auf das kleine Wesen. Aber wo es herkommt ist mir doch schleierhaft, denn meine vier Ziegen sind allesamt ganz junge Mädels. Entweder die Damen hatten also heimlich gehörnten Besuch oder die frühreife Mama war schon schwanger, als ich sie erworben habe. Beides übrigens juristisch nicht uninteressante Fragen! 

Meine Babyziege ist winzig und einfach zu halten – aber ein Pferdeliebhaber aus Schwedt erlebte eine ähnliche Überraschung mit deutlich größeren Ausmaßen. Er hatte ein ausgewachsenes Reitpferd erworben, von dem weder die Verkäuferin noch er wussten, dass es trächtig ist. Als das Fohlen dann überraschend geboren wurde, freute sich der Käufer nicht annähernd so darüber, wie ich mich über meine Ziege und verklagte die Züchterin auf Rücknahme des Pferdes samt Nachwuchs. Das Amtsgericht Schwedt gab ihm Recht und erklärte die ungewollte Schwangerschaft zum Sachmangel – jedoch nicht etwa deshalb, weil das kleine Pferdchen nicht vertraglich vereinbart gewesen wäre: „Der Sachverständige hat in seinem schriftlichen Gutachten ausgeführt, dass die Trächtigkeit der Stute in einem Lebensalter von 15 Monaten entschieden zu früh erfolgt sei und dass der infolge einer verstärkten Östrogenproduktion durch die Eihäute erfolgte vorzeitige Schluss der Epiphysenfuge geeignet sei, das physiologische Körperwachstum vorzeitig zu beenden, in dessen Folge die normal zu erwartende Körpergröße nicht erreicht werde. Weiterhin hat der Sachverständige nachvollziehbar und schlüssig ausgeführt, dass kleine Pferde in ihrer Nutzungsfähigkeit gegenüber Großpferden im Nachteil sind.“ (Az. 3C 177/05).

Aber was passiert, wenn mein Haustier erst nach dem Kauf von einem anderen Haustier ungewollt geschwängert wird? Darüber entschied das Landgericht Lüneburg betreffend den Dorfhund „Josef“ und die Hirtenhündin „Alom“. Beim Josef handelte es sich um eine verwegene, streunende Promenadenmischung zweifelhafter Abstammung. Alom hingegen war eine mehrfach ausgezeichnete, reinrassige Zuchthündin mit Stammbaum. Aber wie es der Herrgott will, verliebten sich die Prinzessin und der Landstreicher und es kam zum Äußersten. 5000 Euro Schadenersatz verlangte Aloms Frauchen von Josefs Halter dafür. Doch die Richter fanden an Josefs Treiben nichts Ehrenrühriges und sahen auch sein Herrchen nicht in der Pflicht. Die Züchterin habe auf ihre Hirtenhündin eben nicht genug aufgepasst – diese habe während ihrer Läufigkeit nicht einmal ein Schutzhöschen getragen! Klage abgewiesen (LG Lüneburg, Az. 30340/91).  

Irgendwie kommt mir die Geschichte doch bekannt vor. Kennen sie zufällig Susi und Strolch? 

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