Tiere in der Wohnung


Vorneweg gleich die gute Nachricht: Sollte sich unter Ihrem Christbaum ein stark knisterndes Päckchen befunden haben, das sich beim Öffnen heftig sträubte und zischende Geräusche machte - sollte man Ihnen also eine Bartagame geschenkt haben, sind sie mietvertraglich auf der sicheren Seite. Sie verstehen nicht, wo da die gute Nachricht sein soll? Nun, ich will etwas weiter ausholen: Bartagamen sind Schuppenkriechtiere und leben ausschließlich in Australien – und seit Weihnachten möglicherweise auch bei Ihnen zuhause im Wohnzimmer. 

Schon 1995 entschied das Amtsgericht Essen, dass die Haltung von Bartagamen in einer Mietwohnung erlaubt sei, wenn der Mietvertrag auch die Haltung von Ziervögeln gestatte. Da waren die Richter damals auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft, denn spätestens seit „Jurassic Park“ wissen wir ja alle, dass Vögel nichts anderes als Dinos mit Federn sind. Da ist es freilich nur noch ein kleiner Schritt zur Bartagame (Az. 9 C 109/95). 

Und wie sieht es mit Frettchen aus? Nun: Frettchen sind keine kleinen Dinos, sondern marderartige Tiere. Sie stinken bestialisch und bringen die Bewohner der Nachbarwohnungen dazu, ihre Miete zu mindern. Deshalb entschied das Amtsgericht Köln: Frettchen haben in Wohnungen nichts zu suchen (Az. 201 C 457/87). Ganz anders wiederum sieht es mit Schlangen aus: Allein die Tatsache, dass Schlangen möglicherweise eklig sind, reicht noch längst nicht aus, einem Mieter deren Haltung in der Wohnung zu untersagen - sofern von dem Schuppenbiest keine objektive Gefahr (oder ein grauenhafter Geruch) ausgeht. Ekel, so das Amtsgericht Bückeburg, ist für sich gesehen nämlich noch kein ausreichender Verbotsgrund (Az. 73 C 353/99). 

Sie sehen schon, das mit der Tierhaltung in Mietwohnungen ist eine echte Wissenschaft. Deshalb mussten sich auch Deutschlands oberste Bundesrichter immer wieder mit dem Thema befassen. Im Jahre 2007 hatten sie es zunächst einmal mit der Frage zu tun, ob man Kleingetier in seiner Wohnung beherbergen darf, wenn im Mietvertrag nichts dazu steht. Die roten Robenträger beim BGH befanden, dass Sittich, Hamster, Guppy und Co. grundsätzlich den vertragsgemäßen Gebrauch der Mietsache nicht beeinträchtigen und deshalb vom Vermieter zu dulden sind (Az. VIII ZR 340/06). 

Aber Kleinvieh macht auch Mist und wo hört „klein“ eigentlich auf? Diese Frage brachten die Halter eines zwanzig Zentimeter hohen Winzlingshundes vor den BGH. Im Mietvertrag war die Haltung von Hunden und Katze generell untersagt. Die Richter befassten sich allerdings nicht mit der naheliegenden Frage: „Ist das überhaupt ein Hund?“ Vielmehr fragten sie: „Stört der denn wirklich in der Wohnung?“ Sodann entschieden sie, dass ein generelles Verbot von Hund und Kater für die Katz sei. Es müsse vielmehr konkret im Einzelfall abgewogen werden, ob Bello und Minka zahm wie eine Bartagame sind oder stinken wie ein Frettchen (Az. VIII ZR 168/12). 

Der Trend geht ja ohnehin in Richtung Aquarium – und wie das riecht, hängt stark vom Pflegezustand der Bewohner ab.

 

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