An Hängen und Pisten

Unfall auf der Skipiste - nur wer ist schuld?


Heute müssen wir einmal über Tiere reden. Konkret über Skihaserl und Pistensäue. Also eigentlich nicht über Tiere direkt, sondern über eine Sportart, die den einen tierisch viel Spaß macht, die anderen schweinisch viel Geld in die Kassen spült und wieder anderen viehische Schmerzen bereitet. Zuerst aber einmal die gute Nachricht: Skifahren darf, juristisch gesehen, jeder. Das hilft freilich wenig, denn leider kann es nicht jeder. Deshalb gibt es auch jede Menge Skiunfälle und oft genug muss man gar nicht daran schuld sein, um darunter zu leiden. 

Ein Ehepaar aus München beispielsweise stand einfach nur am Rande der Piste und bräunte sich, als sie von einem wildgewordenen Möchtegernolympioniken über den Haufen gebrettert und verletzt wurden. Sie verklagten den Rowdy auf Schmerzensgeld.  Das Oberlandesgericht München entschied, dass der Skifahrer den Unfall verschuldet hatte, aber das verletzte Ehepaar habe eine Mithaftung von 50 Prozent zu tragen, da beide keine Skihelme getragen hätten. Auf Skipisten sei das Tragen von Helmen bei der Mehrzahl der Skifahrer seit Jahren üblich und wegen der immer höheren Geschwindigkeiten auch sinnvoll (Az. 8 U 3652/11). 

Doch wer macht eigentlich das Recht auf der Piste – vor allem dann, wenn diese nicht auf deutschen Bergen gespurt wurde? Diese Frage stellten sich auch zwei deutsche Amateurabfahrtsläufer, die auf einer österreichischen Schneeschräge verletzungs-intensiv zueinander gefunden hatten. „Kommt es auf einer österreichischen Skipiste zu einem Unfall zweier deutscher Skifahrer, gelten auch in Österreich die deutschen Haftungsnormen. Für die Verhaltenspflichten für Skifahrer sind die Regeln des internationalen Ski-Verbandes FIS zugrunde zu legen.“ Antwortete ihnen das OLG Düsseldorf (Az. 22 U 259/95). Beim Skifahren gilt also „internationales Privatrecht“. 

Die FIS Regeln hängen an fast jedem Lifthäuschen aus und sind quasi eine erweiterte Fassung des kategorischen Imperativs nach Kant im Sinne von „Was du nicht willst das man dir tu´…“. Allerdings ist es verblüffend, was Juristen aus den eher schwammigen Allgemeinplätzen jener zehn Gebote des Steilhangs an konkreten Normen so herausfiltern. Es gibt beispielsweise keinerlei verbindliches Jagateeverbot für das Gleiten mit wie auch immer gearteten Brettern auf schneekanonenbeeisten Bergflanken. In Regel Nr. 2 heißt es jedoch: „Jeder Skifahrer und Snowboarder muss auf Sicht fahren. Er muss seine Geschwindigkeit und Fahrweise seinem Können und den Gelände-, Schnee- und Witterungsverhältnissen sowie der Verkehrsdichte anpassen.“ Und weil man unter Alkoholeinfluss nichts sieht und auch nichts kann, bedeutet das nach Ansicht der Rechtskundigen: „Don´t drink and drive“ – und zwar auf allen Hügeln dieses Planeten. 

Eines zum Abschluss noch: Vermeiden Sie geschäftliche Unterredungen auf der Skipiste. Das Bayerische Landessozialgericht hat entschieden, dass geschäftliche Besprechungen bei der Abfahrt aus Kommunikations­gründen auszuschließen sind. (Man versteht einander einfach zu schlecht wegen des Fahrtwindes). Eine Verletzung aufgrund eines Sturzes auf der Piste kann daher nicht als Arbeitsunfall anerkannt werden (Az. 17 U 484/10). Wenn es gar nicht anders geht, benutzen sie vielleicht ein Helmmikrofon?  

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