Baby an Bord



Fliegen Sie gern? Freilich, man muss es sich leisten können. Aber Flugreisen werden einem heute ja regelrecht nachgeworfen – jedenfalls wenn man bereit ist, in der Nebensaison um drei Uhr morgens irgendwo in der Pampa zu starten und sich an Bord mit knochentrockenem Keks als Verpflegung zu begnügen. Was vielleicht auch besser ist, wenn von den zwei Bordtoiletten die eine defekt ist und die andere nicht funktioniert. 

Bei allen potentiellen Widrigkeiten ist die Fliegerei doch bis zum heutigen Tage für die meisten von uns ein bewunderungswürdiges Mysterium und der deshalb obligatorische Applaus bei der Landung in Palma de Mallorca ist zudem oftmals auch ein willkommener Anlass für die Crew, festzustellen, ob alle Passagiere die eigenartige Geruchsmischung aus verbranntem Plastik und altem Katzenklo, die sich zwischen den stufenlos nichtverstellbaren Sitzen verbreitet hatte, bei vollem Bewusstsein überstanden haben. 

Die Fliegerei bietet übrigens auch juristisch einige echte Herausforderungen. Nehmen wir einmal an, Sie sind hochschwanger und missachten die Empfehlung Ihrer holländischen Airline, in diesem Zustand zum Christmas Shopping nach New York zu jetten. Irgendwo über dem kanadischen Nova Scotia kommt ungeplant der kleine Sonnenschein ins Kabinenlicht und weckt diejenigen Fluggäste mit seinem ersten zarten Schrei auf, die nicht ohnehin bereits bei den typischen Geburtsgeräuschen aufgewacht sind und sich traumatisiert an ihre Papiertüten klammern. Ist das Baby jetzt ein Holländer? Wegen der niederländischen Hoheitszeichen am Rumpf des Luftfahrzeugs? Oder ein Kanadier, wegen der nächtlich glitzernden Lichterpracht der Stadt Halifax, die unten am Erdboden wolkenlos klar erkennbar ist? Also Holland fällt aus. Kanada hat nämlich, wie 190 weitere Staaten der Welt, das Chicagoer Abkommen über die internationale Zivilluftfahrt ratifiziert, wonach in einem Flugzeug die Gesetze des gerade überflogenen Rechtsterritoriums gelten. 

Wenn Sie zum Beispiel gerade mit Ihrer Reisebegleitung unanständige Dinge in der Bordtoilette tun und dabei die Arabischen Emirate überfliegen, könnte Ihnen das Stockschläge nach der Landung einbringen. Wenn Sie hingegen ein Baby im kanadischen Luftraum kriegen, macht das den Zwerg zum kanadischen Staatsbürger. Keine Sorge: nach bundesrepublikanischem Recht kriegt der Knirps auch gleichzeitig einen deutschen Pass, wenn Mama oder Papa so einen haben. Aus Dank könnten Sie das Baby nun nach Ihrem Kapitän benennen! Der hätte Sie nämlich gar nicht mitnehmen müssen. Immer wieder bekräftigen deutsche Gerichte die absolute Entscheidungshoheit des Flugkapitäns an Bord. 

Das OLG Frankfurt bestätigte zum Beispiel den Rausschmiss einer Gruppe von Passagieren, die sich nicht anschnallen wollten (Az. 13 U 231/08) und das Amtsgericht Wedding stellte fest, dass der Kapitän alkoholisierte Passagiere nicht mitnehmen muss (Az.: 18 C 181/13) 

Auf das Baby mit anstoßen darf der Captain übrigens nicht: Null Promille im Cockpit!

 

 

 

 

 

 

 

 

         

  

 

 

 

 

 

 

 

         

  

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