Reisemängel


Jetzt, wo der Winter naht, wird das Meer auch den letzten Nebensaison-Sonnenhungrigen langsam zu kalt und sie kehren heim ins nachtfrostige Deutschland. Dort treffen sie dann auf all jene, die, finanziell erschöpft, bereits zum Ende der Schulferien zurückkehren mussten. Ein paar Höflichkeiten zum Bräunungsgrad, ein paar Schnappschüsse von Sangriaabstürzen auf dem Fotohandy – dann kommt man schnell zu den wesentlichen Themen der Urlaubsnachbesprechung: Reisemängel! Wer kennt sie nicht, jene bitter enttäuschten Hoffnungen, wenn der im Katalog so strahlend blaue Ozean in Wahrheit grün und das ununterbrochene Surren aus dem Badezimmer mitnichten die versprochene Klimaanlage, sondern vielmehr ein balzendes, haar-lackresistentes Insekt ist. 

Aber alles hat auch sein Gutes, denn selbst der juristische Laie weiß, dass so ein kapitaler Reisemangel im Nachhinein zu barer Münze werden kann – wenn man es denn richtig anstellt. 

Ein unzufriedenes, das Land Homers und anderer Griechen bereisendes deutsches Pärchen musste dabei bittere Souvenirs vor dem Amtsgericht einsammeln. Die Tatsache, dass Chalkidiki nur eine Halbinsel ist (und keine Ganze) wären sie ja noch hinzunehmen gewillt gewesen. „Gebrauchsspuren der vorherigen Nutzer an Toilettenbürste und Zahnputzbecher“ aber waren zu viel. Hinzu kamen großflächige Schimmelablagerungen, lose aus der Wand hängende Steckdosen, schmutzige Wäsche, eine zersplitterte Balkontür, eine defekte Klimaanlage, ein schmutziger Pool, ein verwilderter Beachvolleyballplatz, defekte Liegen und Sonnenschirme, lieblose Mahlzeiten und verschmutzte Tische. Neun Tage lang ertrugen die beiden das griechische Elend klaglos, vielleicht aus Solidarität zur einheimischen Bevölkerung? Am Tag zehn jedoch zog man vor die Rezeption und demonstrierte. Einen kostenlosen Umzug in ein anderes Hotel lehnten die Urlauber ab. Vielmehr verlangten sie nach ihrer Heimkehr vor dem Amtsgericht München Schadenersatz. Die zuständige Richterin sah das nicht ein: Für die ersten 10 Tage bestünde kein Anspruch, da das Paar in diesem Zeitraum die Mängel nicht dem Reiseunternehmen oder dessen Vertretern angezeigt habe. Eine Anzeige bei der Hotelrezeption sei nicht ausreichend. Diese sei nicht der Erfüllungsgehilfe der Reiseleitung. Eine Anzeige an die Reiseleitung sei unabdingbar, um dem Reiseveranstalter die Möglichkeit der Abhilfe zu geben. Nach der Mängelanzeige habe die Reiseleitung sofort einen kostenfreien Umzug in ein anderes Hotel angeboten. Dies sei für ein Paar ohne Kinder unproblematisch möglich. Klage abgewiesen! (AG München, Urteil vom 12.04.2013 AZ 264 C 25862/11). 

Dann also vielleicht doch lieber Urlaub auf Balkonien? Da kann man auch deutlich eher Geld herausschlagen: „Ist der Balkon einer Wohnung von Rattenbefall betroffen, so ist dies ein Mangel der Mietsache, der eine Mietminderung in Höhe von 5 % rechtfertigt“ (Amtsgericht Köln vom 30.12.2003, AZ 201 C 68/03).  

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