Strafzettel aus Italien


Haben Sie schon mal was vom EuGeldG gehört? Nein, ich habe mich nicht vertippt – das klingt nicht nur blöd, das ist es auch. Jedenfalls wenn es einen betrifft. Das ist nämlich ein Gesetz, in dem steht, dass Geldbußen ab 70 Euro, die man sich im Urlaub in einem EU-Urlaubsland eingefangen hat, beispielsweise durch eine Geschwindigkeits-überschreitung, auch in Deutschland von Deutschen Behörden eingetrieben werden können. Die freundlichen Deutschen Behörden teilen den verbrüderten Wegelagerern auch großzügig Fahrzeug- und Halterdaten mit. Ein winziges Trostpflaster besteht darin, dass Falschparker aufgrund des EuGeldG sich weiter ruhigen Gewissens vor Carabinieri und Co. in Deutschland verstecken können. 

Wo wir gerade bei der italienischen Polizei sind: sollten Sie sich tatsächlich vor denen wegen krimineller Falschparkerei in Deutschland verstecken, rate ich dazu, in den kommenden fünf Jahren keine weiteren Italienreisen zu planen. So lange nämlich funktioniert das Elefantengedächtnis der italienischen Justiz in solchen Fragen und wenn man sich trotzdem traut und sie einen bei der Wiedereinreise erwischen, sind die bisweilen auch ziemlich elefantenmäßig unterwegs: von dickhäutigen Bearbeitungs-gebühren über rüsselbewehrte Bußgeldaufstockungen bis zur Beschlagnahme Ihres PkW mit einem Polizei-Trörö dass Ihnen die Ohren faltig am Kopf schlackern! Und was die bei einer italienischen Poilzeidienststelle mit Ihrem beschlagnahmten Auto so anstellen, das lesen Sie am besten bei Dante Alighieri nach. 

Sollten Sie übrigens Post aus Italien von einer Institution namens EMO erhalten, hat das nichts mit Elefanten und auch nicht mit diesen riesigen, straußenartigen Vögeln aus Australien zu tun. Die nämlich heißen Emu (wissenschaftliche Bezeichnung Dromaius novaehollandiae). EMO hingegen ist die Abkürzung für European Municipality Outsourcing. Ein privates Unternehmen, das von italienischen Kommunen begeistert damit beauftragt wird, Zahlungsaufforderungen (wissenschaftliche Bezeichnung "preavviso di contestazione") an ausländische Verkehrssünder zu verschicken. Diese Bescheide sehen sehr förmlich aus und sind im besten Behördendeutsch formuliert, mit Paragrafen, Messdaten und allem was ein amtliches Dokument sonst noch furchteinflößend macht – und sie sind absolut ernst gemeint! 

Wie, Sie meinen, Sie hätten sich nichts vorzuwerfen? Gar kein Problem! Binnen sechzig Tagen können Sie Ihre Verteidigungsargumente gegen den unberechtigten Vorwurf eines Verstoßes gegen die italienischen Straßenverkehrsvorschriften vor den Präfekten der betroffenen Region oder einen italienischen Friedensrichter bringen und dort widerfährt Ihnen dann vollumfängliche italienische Gerechtigkeit. Weitere Details entnehmen Sie auch hier bitte den Ausführungen des Dante Alighieri („La Commedia - Die Göttliche Komödie, Teil I – Inferno/ Hölle, Florenz, 1320).

 Oder aber Sie bezahlen denen das, was sie verlangen, trinken einen Cappucino und haben Ihre Ruhe. Basta. 

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