Urlaubsmitbringsel


Wo waren Sie im Urlaub? In Übersee vielleicht – am Chiemsee? Oder so richtig in Übersee, Langstreckenflug Los Angeles und das volle Programm? Sollte letzteres der Fall sein (das gilt dann übrigens auch für Tunesienrückkehrer), kann ich nur hoffen, dass Sie das mit der Unterscheidung von rot und grün im Griff haben. Ich meine jetzt nicht, dass sie sich nach der Rückkehr aus einem exotischen Urlaubsland wieder daran gewöhnen müssen, dass in Deutschland Ampeln nicht nur als Deko herumstehen. Vielleicht ist Ihnen, als Sie den engen Schnorchel des Flugzeugs passiert hatten und mitsamt diverser exotischer Stechmückenarten ins Hauptgebäude des Flughafens gesaugt wurden, aufgefallen, dass einige Türen dort farbig sind? Rot eben – oder grün. Das lag nicht an dem Glas Sekt, das die Stewardess Ihnen verschwörerisch schmunzelnd zugeschustert hatte, obwohl Sie Economy geflogen sind sondern am Zoll. Wenn Sie nämlich aus einem Nicht-EU-Reiseland zurückgekehrt sind, müssen Sie grundsätzlich mitgebrachte „Souvenirs“ verzollen. 

Keine Sorge: das gilt nicht für das fragwürdige hautenge Kleidungsstück mit Tigermuster, das ihnen der aufdringliche Bursche auf dem Basar angedreht hat. Auch nicht für das seltsame Kaffeetassenset, bei dem Ihr guter Geschmack offensichtlich woanders Urlaub gemacht hatte. Sie dürfen durch den grünen Durchgang. Alle anderen, die Mitbringsel im Wert von über 430 Euro im Gepäck haben, werden allerdings hinter dem roten Türchen vom Zoll zur Kasse gebeten. Und was sagt das Finanzgericht Düsseldorf zu denen, die trotzdem durchs grüne Türchen schlupfen wollten? „Leichtfertige Steuerverkürzung“ – die kleine Schwester der Steuerhinterziehung ( Az. 4 K 120/11 Z). 

Kein Problem, dachte sich ein Mann aus Baden-Württemberg, der sich aus dem Schweiz-Urlaub ein besonderes Reiseandenken mitgebracht hatte. Ein uraltes, scheußliches Auto. Nur 250 Euro hatte er dafür hinlegen müssen. Ein Urlaubs-schnäppchen! Glaubte er jedenfalls. Doch das Finanzgericht Baden-Württemberg befand: Ein Auto ist kein Reisegepäck, sondern ein Transportmittel. Deshalb ist es an der Grenze nicht im Rahmen der Reisefreimenge von der Erhebung von Einfuhrabgaben befreit (Az. 11 K 2960/12). 

Eines noch für den Fall, dass Ihr Souvenir teuer war, sie es verzollen mussten und es am Ende trotzdem - naja das ist, was der gesunde Menschenverstand ohnehin bereits vermutet hatte. Es gab da diesen Streit zwischen einem Deutschen und einem türkischen Teppichhändler und der landete vor dem Oberlandesgericht Frankfurt. Die dortigen Richter tranken erst einmal einen zuckersüßen Tee (Mutmaßung des Autors) und entschieden sich dann dafür, auf die Sache türkisches Recht anzuwenden: Grundsätzlich sei nämlich dasjenige Landesrecht angesagt, zu dessen Staat der Vertrag die engsten Verbindungen aufweise (Az. 9 U 12/07). 

Sie sollten sich also noch einmal genau überlegen, ob Sie Ihren Urlaubsteppich nicht einfach zum Wertstoffhof bringen. Dann ist auch der fiese Tierhaargeruch ganz schnell wieder aus dem Haus. 

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